Tag des politischen Gesprächs

Auch in diesem Jahr hatten unsere Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 10 und 11 Gelegenheit, am Tag des politischen Gesprächs den Politikerinnen und Politikern des Kreistags und des Landtags Fragen zu stellen. Von 08:30 Uhr bis 10:30 Uhr diskutierten Maren Bott (FWG), Thomas Bursian (FDP), Michael Cyfka (CDU), Rainer Dhonau (Linke), Andreas Pilarski (Grüne) und Michael Simon (SPD) über viele Themen, die unsere Schülerinnen und Schüler in Jahrgang 10 bewegen. Auch die im Kreistag vertretene AfD war eingeladen, jedoch erhielten wir keine Antwort auf unser Schreiben.

In der ersten Runde wurden eher allgemeine Fragen gestellt;u. a. wollten unsere Schülerinnen und Schüler wissen, welche Beweggründe unsere Gäste dazu veranlasst hatte, sich in der Kreispolitik aktiv zu engagieren. Aus aktuellem Anlass interessierte die Schüler auch, ob die Politiker schon einmal in ihrer Funktion bedroht worden seien und wie sie damit umgingen. Einige Politiker erwähnten erhaltene Drohbriefe, die sie aber nicht weiter beachtet hätten. Weitere Fragen zum Thema Umweltschutz schlossen sich an. Auch die zukünftige Versorgung mit Pflegeplätzen und Pflegekräften im Umkreis wurde thematisiert. Die Politiker teilten die Besorgnis und unterstützten Pläne, Pflegekräfte besser zu bezahlen.

In der zweiten Gesprächsrunde stellten die Klassen zunächst Fragen zur Schulpolitik, insbesondere zur Ausstattung an Medien und zu geplanten Renovierungen an ihrer eigenen Schule. Zum Stärkung des Klimaschutzes regten sie die bessere Förderung von Ladestationen für E-Autos und H2-Autos an. Ein Politiker, selbst Fahrer eines E-Autos, kann die bisher unzureichende Versorgung mit Ladestationen nachvollziehen, verweist aber auf die Pläne, bundesweit das Netz an Ladestationen flächendeckend zu erweitern. Zum Thema Umweltschutz äußerten die Schülerinnen und Schüler ihre Besorgnis über die herrschende Lebensmittelverschwendung und fragten nach, ob nicht recyclebare Verpackungen, auch in der schuleigenen Mensa, verboten werden sollten. Zu guter Letzt stellten unsere Schüler den Politikern – wie fast jedes Jahr – Fragen nach einer besseren Verkehrsanbindung in der Region und hakten nach, warum ein Schüler bereits ab 15 Jahren den vollen Fahrpreis bezahlen müsse. Die Politiker stimmten dieser Kritik einstimmig zu.

Unsere Schülerinnen und Schüler der Oberstufe konnten im Anschluss wieder mit einem Landtagsabgeordneten aus Mainz eine rege Diskussion führen. In diesem Jahr freuten sie sich über die Teilnahme von Herrn Dr. Helmut Martin (CDU). Insbesondere die Themen Rechtspopulismus, Migration und Europa bewegten die Schüler der Sozialkunde-Leistungskurse aus den Jahrgängen 11 und 12. Sie teilten die Auffassung von Herrn Dr. Martin, dass es keine einfachen Antworten auf schwere Fragen gebe und man weiterhin für die Meinung anderer offen und miteinander im Gespräch bleiben müsse.

Gefragt wurde auch, ob die CDU in Thüringen Koalitionsgespräche mit der Partei „Die Linke“ führen sollte. Diese Frage wies Herr Dr. Martin entschieden zurück. Die Erfahrungen der Weimarer Republik, die vor 100 Jahren gegründet wurde, zeigen seiner Meinung nach die Gefahren einer zunehmenden Polarisierung durch links- und rechtsextreme Parteien. Sowohl Gespräche mit der AfD und als auch mit der Partei Die Linke, für Herrn Dr. Martin eine SED-Nachfolgepartei, seien für eine bürgerliche Partei wie der CDU nicht möglich.

Kritische Nachfragen gab es, welche Konzepte die CDU zur Überwindung der Flüchtlingskrise und die Integration zahlreicher Migranten vorzuweisen habe. Diese Frage stieß bei Herr Dr. Martin auf völliges Unverständnis. Gerade die Bundesregierung unter der Kanzlerschaft Angela Merkels habe seiner Meinung nach 2015 die humanitäre Krise ernstgenommen und im Gegensatz zu anderen europäischen Staaten notwendige Hilfe geleistet. Im Nachhinein sieht er es als problematisch an, dass der Staat die notwendige Registrierung aller aufgenommenen Flüchtlinge nicht gewährleisten konnte. Hierbei ist nach Dr. Martin der Staat einer wichtigen Aufgabe nicht nachgekommen.

Herr Dr. Martin bekannte sich zum europäische Projekt und sieht in der EU trotz aller Schwierigkeiten (Brexit, Populismus in Polen Ungarn u. v. m.) ein Zukunfts- und Friedensmodell. Auch die Schülerinnen und Schüler stellten die in der nachfolgenden Diskussion die Prognose auf, dass keine weiteren Staaten aus dem europäischen Verband ausscheren werden. Krisen gehören nach Dr. Martin zur EU, auch in der Zukunft. Bisher wurden sie alle von den europäischen Staaten gemeistert.

Wir danken allen Politikerinnen und Politikern für diesen regen Austausch mit unseren Schülerinnen und Schülern.